Liebe Bürgerinnen und Bürger,

am Freitagabend, den 14. Juli 17, um ca. 16.45 Uhr zog von Orsingen entlang der Autobahn eine Gewitterzelle über Ludwigshafen hinweg. Innerhalb von kurzer Zeit ergoß sich eine sehr große Wassermenge auf eine sehr begrenzte Fläche. Nach den zur Verfügung stehenden Daten waren es rund 32l/m² innerhalb von 10 Minuten. Auf die Stunde hochgerechnet wären dies 192l/m².

Der Regen traf zum Teil das Einzugsgebiet des Mühlbachs. Aufgrund der kurzen Regendauer, des schon im Bau fortgeschrittenen Leitdamms Gässleäcker und der Aufnahmefähigkeit des Bodens kam es lediglich in den tiefliegenden Bereichen zu extremen Hochwassern. In der Bahnhofstraße schossen die Wassermassen aus den Gullideckeln, der Wasserstand war kurzzeitig so hoch, dass lt. Augenzeugenberichten Fahrzeuge in der Bahnhofstraße vom Wasser bewegt wurden. Bei einem längeren Regenereignis mit dieser Regenmenge hätten die schlimmsten Berechnungen, die im Zuge des hochwassersicheren Mühlbachausbaus berechnet wurden, Wirklichkeit werden können.

Nicht ganz so glimpflich verlief die Situation im Baugebiet Haiden. Die fehlende Grasnarbe und der sehr lehmhaltige Boden im Baugebiet führten dazu, dass kaum Wasser zurückgehalten wurde. Die, seit den Regenereignissen vom letzten Wochenende errichteten Dämme, waren nicht in der Lage diese Wassermenge zurückzuhalten. Die Überläufe, die in den Kanal Schorenstraße und den Staukanal in der Stockacher Straße angeschlossen sind, waren der Wassermenge nicht gewachsen. Der hohe Wasserdruck führte nahezu zeitgleich zum Bruch beider Dämme, so dass sich eine Flutwelle aus Wasser, Schlamm und Steinen über die Schorenstraße und Stockacher Straße ergoß, die zahlreiche Keller, Garagen und tiefliegende Zugänge flutete. Die Geröllmassen kamen in den Bereichen Kreuzung B31a/B34 und Höhe Gasthaus Traube zum Erliegen, wodurch ein Verkehrschaos ausgelöst wurde. Die Wassermassen selbst verloren sich Höhe Sernatingenstraße 11 und belasteten nicht noch zusätzlich den ohnehin schon übervollen Staukanal der Bahnhofstraße.

Diese Katastrophe löste eine Welle der Hilfsbereitschaft der Anwohner der Schorenstraße aus. Jeder half dem Anderen. Mittendrin die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr und die Mitarbeiter des Bauhofs, die mit großer Sachkenntnis und der notwendigen technischen Ausstattung, Keller und Wohnräume mit dem Wassersauger leerpumpten, den Verkehr regelten, die Straßen, Gehwege und Kanalschächte säuberten. Mein Dank gilt den Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren Bodman-Ludwigshafen, Sipplingen und Stockach sowie den Mitarbeitern des Bauhofs. Ganz besonders danke ich den Firmen Hildebrand, namentlich Sonja und Florian Hildebrand, und der Fa. Lindenmayer, hier Daniel Lindenmayer die uns mit Know-how, Lastwagen und sog. Big-Packs geholfen haben um einen ausreichenden Objektschutz in der Schorenstraße aufzubauen. Meine Gedanken sind bei den Betroffenen, die trotz Ihrer Not besonnen blieben und eine hohe Hilfsbereitschaft und Solidarität gezeigt haben. Ihnen allen herzlichen Dank!

Im Baugebiet wurde die Situation mit dem Vertreter der Baufirma Strobel, dem Ingenieurbüro Reckmann und der Gemeinde mit Unterstützung der Firmen Hildebrand und Lindenmayer besprochen. Es wurde deutlich, dass ein dermaßen großes Regenereignis in der gegenwärtigen Bauphase nicht im Gebiet zurückgehalten werden kann. Bei solchen Starkregenereignissen kommen so große Wassermassen zusammen, die aufgrund der Leistungsfähigkeit des Kanalnetzes nicht über den Kanal Schorenstraße und auch nicht über den Staukanal in der Stockacher Straße abgeleitet werden können. Dies ist erst möglich, wenn der Ableitkanal und das Volumen des Hochwasserrückhaltebeckens Fuchsweg zur Verfügung stehen. Als Sofortmaßnahme wird die Wasserhaltung im Baugebiet verstärkt, indem ein Becken eingegraben wird. Die Dämme werden nicht erhöht, da durch einen Dammbruch die Gefahrensituation erhöht wird. Die seit dem letzten Wochenende installierten Ableitungen in die Kanäle bleiben erhalten. Die Dammkrone erhält eine Überlaufschwelle, die es ermöglicht das Wasser im Notfall kontrolliert (ohne Flutwelle) über die Schoren- und Stockacher Straße abzuleiten. In der Stockacher Straße werden zwei Dämme hintereinander errichtet, die kaskadenartig den Wasserfluss verlangsamen sollen – auch hier bleibt die Ableitung in den Staukanal erhalten und die Dammkrone erhält eine Überlaufschwelle, die einen kontrollierten Abfluss über die Stockacher Straße ermöglichen soll. Filterbecken sollen dafür sorgen, dass der Schlamm zurückgehalten wird.

Diese Maßnahmen müssten dazuführen, dass wir auch kräftigen Regen ohne Gefahrensituation ableiten können. Für solche Regenergebnisse wie gestern wird die Ableitungen über die Schoren- und Stockacher Straße erfolgen müssen. Damit wird auch die Kanalisation der tiefliegenden Ortsbereichen nicht noch zusätzlich mit Regenwasser belastet. Mit der Herstellung des Hochwasserrückhaltebeckens Fuchsweg steht in einigen Jahren ein ausreichendes Volumen zur Verfügung um die Ortskanalisation generell zu entlasten.

Parallel werden neben den kurzfristigen Hochwasserschutzeinrichtungen auch mittelfristige Maßnahmen geplant um während der Bauphase ein Höchstmaß an Sicherheit zu gewährleisten. Allerdings bestehen technische bzw. physikalische Grenzen. So ist die Kanalisation auf HQ 2, das statistisch alle 2 Jahre vorkommende Hochwasser ausgelegt. Die Hochwasserschutzmaßnahme Mühlbach ist auf das HQ 100, das statistisch alle 100 Jahre vorkommende Hochwasser, ausgelegt. Die Maßnahmen im Baugebiet werden derzeit hydraulisch berechnet um eine Einordnung -welches Hochwasser gemeistert werden kann- zu erhalten. Der Hochwasserschutz wird während der Bauphase maximal HQ 2 meistern können.

Hieraus wird deutlich, dass bei Starkregenereignissen eine Ableitung über die Schoren- und Stockacher Straße notwendig wird. Wie im Übrigen im gesamten Ortsgebiet.

Wir haben wegen der Schadensregulierung Kontakt mit unserer Versicherung aufgenommen. Bitte wenden Sie sich wegen Ihrer Schäden zunächst an Ihre Gebäudeversicherung und dokumentieren Sie die Schäden, am besten mit Bildern. Sollte Ihre Versicherung die Schadensregulierung nicht oder nicht ganz übernehmen, bitten wir Sie um eine kurze Information an uns. Frau Donath vom Hauptamt, Tel. 07773-930015 oder Mail: personal@bodman-ludwigshafen.de nimmt Ihre Meldungen zur weiteren Prüfung entgegen.

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

ich danke nochmals Allen die geholfen haben, den Schaden bei Nachbarn und Bekannten möglichst gering zu halten, den Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren Bodman-Ludwigshafen, Sipplingen und Stockach, Sonja und Florian Hildebrand und Daniel Lindenmayer.

Ihr

Matthias Weckbach
Bürgermeister